Geschichte des KGV HORN

1916 - 2016

 

Die Gründung des Kleingartenvereins im Jahr 1916 ergab sich aus der wirtschaftlichen Not der Kriegszeit des 1. Weltkrieges. Die Initiative ging unter anderem von folgenden Personen aus: Karl Korbel, Max Bernhauer, Dr. Arnold Hartl, Vinzenz Jaborsky und Josef Schediwy. Sie überlegten gemeinsam, wie man den notleidenden Horner Bürgern mit einem Stück Grund helfen könnte, den teilweise sehr dürftigen Speisezettel mit selbst gepflanztem Gemüse etwas aufbessern zu können. Nach vielen Beratungen traten sie an Ernst Karl Graf Hoyos-Sprinzenstein mit der Bitte heran, ihnen das Grundstück zwischen der Feldgasse/Puechheimgasse und der Kurzgasse bis zum heutigen Gymnasium zu verpachten.

 

Ernst Karl Graf Hoyos-Sprinzenstein stimmte nach mehreren Gesprächen zu. Da der Pachtschilling gleich im Voraus bezahlt werden musste, streckten die Gründungsmitglieder diesen vor.

Die Gründung des Vereines erfolgte bei der ersten Generalversammlung am 8. Oktober 1916. Bei dieser Gründungsversammlung wurde unter dem Vorsitz von Bürgermeister-Stellvertreter Adolf Wizlsperger Karl Korbel zum 1. Obmann des Vereins „Deutscher Wirtschaftsbund zur Hebung der Volksernährung“ – in späterer Folge „Kleingartenverein Horn“– gewählt.

 

Ein ganz großes Problem musste gleich nach der Gründung gelöst werden: die Wasserversorgung. Durch das großzügige Entgegenkommen der angrenzenden Hausbesitzer, welche auf Bitten der Vereinsleitung Wasser zur Verfügung stellten, wurde das Problem gelöst.

 

Obmann Karl Korbel führte die Geschäfte des Vereins mit vollster Zufriedenheit bis 1939. Während seiner Zeit als Obmann wurden Verhandlungen über weitere, neue Pachtgründe mit der Stadtgemeinde Horn und der „Stephansheimstiftung“ (Stiftung Bürgerspital) geführt. Mitte der 1930er Jahre konnten Grundstücke zwischen dem Altbach und der Spitalgasse (Anlage 3) bzw. zwischen der Doberndorfer Straße/Spitalgasse und der Ferdinand-Kurz-Gasse (Anlage 1) gepachtet werden. Durch weitere Verhandlungen konnten Ende der 1930er Jahre noch weitere Gründe zwischen der Doberndorfer Straße und der Ferdinand-Kurz-Gasse, entlang der heutigen Josef-Mungenast-Gasse (Anlage 2), gepachtet werden. Der Verein zählte damals ca. 350 Mitglieder.

 

1939 wurde Josef Krutil als Nachfolger von Karl Korbel zum Obmann gewählt. Dieser leitete die Geschicke des Vereins bis zum Ende des 2. Weltkrieges im Jahr 1945. Es folgte bis Februar 1951 Leopold Liewald als Obmann. In dieser Zeit mussten, um das Weiterführen des Vereines zu ermöglichen, Anträge an die Sicherheitsdirektion für Niederösterreich eingebracht werden. Nach mehreren Rückfragen über die Personen der Vereinsleitung wurde dies genehmigt.

Am 30. Jänner 1947 wurde der „Kleingartenverein Horn“ in den „Österreichischen Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter“ aufgenommen.

 

Im Februar 1951 wurde Johann Buchinger zum neuen Obmann gewählt. Dieser führte die Geschicke des Vereines mit vollem Einsatz bis zu seinem Tode am 13. November 1966. In dieser Zeit wurde eine Statutenänderung zum Wohle der Kleingärtner durchgeführt.

 

Im Jahr 1962 wurden Parzellen entlang der Doberndorfer Straße/Spitalgasse, wie auch bereits im Jahr 1955, von Unwettern stark beschädigt. Der Verein wandte sich daraufhin an die Stadtgemeinde Horn mit der Bitte um Sanierung des Bachbettes, da der größte Schaden, durch Überschwemmung bedingt, durch diverse Verklausungen des Bachlaufes entstanden war. Die Regulierung des Altbaches erfolgte dann Ende der 1960er-Anfang der 1970er Jahre.

 

Auf Grund eines für den Kleingartenverein Horn sehr günstigen Pachtvertrages erfolgte im Jahr 1964 von Seiten der Stiftung Bürgerspital ein Ersuchen an den Verein, bei der Abtragung der Restschulden für das Altersheim mitzuhelfen. Daraufhin wurde in den Jahren 1964 und 1965 diesbezüglich gespendet.

 

In dieser (und wahrscheinlich nicht nur in dieser) Zeit kämpfte der Verein auch mit Diebstählen und ersuchte alle Mitglieder, bei der Überführung von Dieben mitzuhelfen.

 

Die Stadtgemeinde Horn bedankte sich offiziell für die Teilnahme beim Wettbewerb „Horn im Blumenschmuck“. Ziel für die Zukunft: Neben „Schulstadt“ soll Horn auch „Gartenstadt“ werden. Der „Tag des Gartens und der Blume“ wurde gemeinsam mit der Volkshochschule durchgeführt und war ein voller Erfolg. Auch in den Jahren danach wurde an derartigen Veranstaltungen der Stadtgemeinde Horn teilgenommen.

 

Am 13. März 1966 wurde die 50. Jahreshauptversammlung abgehalten. Ein großes Problem war (und ist es, etwas abgemildert, auch noch heute) die Wasserversorgung. Immer wieder wurden an den Leitungen Verbesserungen versucht und damit doch noch eine einigermaßen funktionierende Wasserversorgung für die betreffenden Parzellen zur Verfügung gestellt.

 

Für die 50-Jahr Feier wurde Karl Wildeis als Obmann des diesbezüglichen Festkomitees gewählt. Geplant wurden ein Festzug mit Autokorso und ein Gartenfest mit Musik. Dieses Vorhaben wurde auch grandios verwirklicht. Alle Erwartungen wurden übertroffen. Der Festzug mit Autokorso verschwand nach einiger Zeit wieder aus dem Programm, aus dem Gartenfest haben sich in späterer Folge die Waldviertler/Horner Festtage entwickelt.

 

Im Jahr 1966 erfolgte durch die Stiftung Bürgerspital die Einleitung des Verkaufs der Gründe der Anlage 2. Es folgten zahlreiche diesbezügliche Besprechungen und Verhandlungen unter Einschaltung des Zentralverbandes. Diese prägten auch die nächsten Jahre sehr eindrucksvoll.

 

Nach Ableben von Johann Buchinger wurde im Februar 1967 Maximilian Jarmer zum Obmann gewählt. Dieser führte den Verein bis 1973.

Während seiner Zeit als Obmann wurden weiterhin Gartenfeste abgehalten, die von der Horner Bevölkerung sehr gut angenommen wurden.

 

In den Jahren 1967, 1968 und 1969 wurden die intensiven Gespräche bezüglich der bevorstehenden Auflösung der Pachtverträge fortgeführt und die jährlichen Gartenfeste ausgebaut.

 

Im Jahr 1970 war es soweit: da die Pachtverträge nicht mehr verlängert wurden, kam das lange angekündigte und befürchtete „Aus“ für die Anlage 2 und die Anlage 3. Mit der Stadtgemeinde Horn, der Stephansheimstiftung (Stiftung Bürgerspital) und dem Zentralverband der Kleingärtner wurden zahlreiche Verhandlungen bezüglich Ablöse und Ersatzgründe geführt, die dank der ausgezeichneten Verhandlungstaktik von Obmann Maximilian Jarmer und seiner Mitarbeiter sehr gute Konditionen für die Horner Kleingärtner ergaben. Ein Ersatzgrund im Ausmaß von 19.000 m² für die Neuanlage von Gartenparzellen wurde im Anschluss an die Anlage 1 (Richtung Mödring) zur Verfügung gestellt. Der neue Pachtvertrag konnte am 2. November 1970 abgeschlossen werden. Die Anlagen 2 und 3 mussten bis Ende des Jahres 1971 geräumt werden. Von der Kündigung betroffen waren 135 Mitglieder (40 von der Anlage 2 und 95 von der Anlage 3). Ersatzgründe wurden von 15 Mitgliedern der Anlage 2 und 38 Mitgliedern der Anlage 3 beansprucht. Zusätzlich gab es 10 Neuansuchen für die Zuteilung einer Gartenparzelle. Von den Mitgliedern wurden in dieser Zeit sehr viele Eigenleistungen erbracht. So konnten auch die entstehenden Kosten für das Adaptieren des neuen Grundstückes zur Verwendung als Kleingartenanlage im Rahmen gehalten werden. Die Wasserversorgung für die neue Anlage wurde durch die Errichtung eines zweiten Wasserbeckens kostengünstig sichergestellt. Die neue Anlage wurde durch drei Hauptwege unterteilt – laut Beschluss des Vorstandes wurden diese absichtlich als „Stichwege“ angelegt, um ungewollten „Rundverkehr“ („Spazierenfahren“) zu vermeiden.

 

Die Jahre 1971 und 1972 standen voll und ganz im Zeichen der Errichtung der neuen Gartenanlage (Wasserleitung, Zäune, Wege, usw.). Auch die Vergaberichtlinien für Parzelleninteressenten wurden festgelegt.

 

Die jährlichen Festtage hatten einen Umfang erreicht, der vom Kleingartenverein alleine nicht mehr zu bewältigen war. Der neu gegründete Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein übernahm die Ausrichtung dieser Feste unter Mithilfe des Kleingartenvereines. Die finanziellen Überhänge der bis dahin abgehaltenen fünf Festtage, die nur durch die vielen ehrenamtlichen Helfer möglich waren, standen dem Verein bei der Schaffung der neuen Anlage gut an. Der Grundstein für die noch heute stattfindenden Festtage in Horn wurde somit durch den Kleingartenverein im Jahr 1966 gelegt.

 

Im Jahr 1972 hatte sich der Mitgliederstand durch die Auflassung der Anlagen 2 und 3 von 291 auf 213 verringert. Auch die Anlagenfläche hatte sich von ca. 9 Hektar auf ca. 6 Hektar reduziert. Obmann Maximilian Jarmer gab bei der Jahreshauptversammlung am 19. März 1972 u. a. auch bekannt, dass es während der sehr anstrengenden, beschwerlichen Zeit der Auflassung und Neugründung der betreffenden Anlagen auch leider sehr viel Ärger über Gehässigkeiten und Grobheiten gab.

Bei der Jahreshauptversammlung am 18. Februar 1973, seiner letzten als Obmann, zitierte er abschließend in seiner Rede:

 

„Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit,

Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid,

Ein bisschen mehr Wahrheit immerdar,

Und viel mehr Hilfe in der Gefahr!

Ein bisschen mehr „WIR“ und weniger „ICH“,

Ein bisschen mehr Kraft und nicht zimperlich,

Und viel mehr Blumen während des Lebens,

Denn auf den Gräbern sind sie vergebens!“

 

Obmann Maximilian Jarmer, der sich große Verdienste bei den langwierigen und anstrengenden Verhandlungen bei der Auflassung der Anlagen 2 und 3 und der Schaffung von Ersatzgründen erwarb, wurde bei seinem Rücktritt im Februar 1973 zum Ehrenobmann ernannt.

 

Als Nachfolger wurde Karl Wildeis zum Obmann gewählt. In seiner Zeit als Obmann wurden die Neuanlage fertiggestellt, Verbesserungsarbeiten in der „alten“ Anlage 1 durchgeführt und ein Teil der Nutzwasserleitung erneuert.

 

Am 22. Februar 1976 fand im Vereinshaus Horn die Jubiläums-Jahreshauptversammlung anlässlich 60 Jahre Kleingartenverein Horn statt.

 

Im Februar 1981 legte Obmann Karl Wildeis seine Funktion aus gesundheitlichen Gründen zurück. Als Dank für seinen Einsatz zum Wohle des Kleingartenvereins wurde er am 22. Februar 1981 zum Ehrenobmann ernannt.

 

Am selben Tag wurde Rupert Tatschl zum Obmann gewählt. Seine hochgesteckten Pläne wurden sofort in Angriff genommen: Der zweite Teil der Nutzwasserleitung in der 1er-Anlage wurde erneuert und das Trinkwasser in die Gartenanlage zu Entnahmestellen eingeleitet. Eine zurückgegebene Parzelle wurde vom Verein übernommen, in einen Vereinsgarten umgewandelt und darauf eine Vereinshütte errichtet (Bauzeit 1984 bis 1986). Mit großer Begeisterung leisteten Funktionäre und Mitglieder freiwillig und unentgeltlich sehr viele Arbeitsstunden. Die Vereinshütte, mit integrierter WC-Anlage, wurde beim 70-jährigen Bestandsjubiläum im August 1986 feierlich gesegnet und eröffnet. Sie trägt zu Ehren des damaligen Obmannes Rupert Tatschl den Namen „Rupertihütte“.

 

In den nächsten Jahren entwickelte sich auf Initiative von Obmann Rupert Tatschl eine verstärke Reisetätigkeit der Mitglieder. Es wurden österreichweit neue Kontakte zu anderen Vereinen (Salzburg, Graz, Kärnten etc.) geknüpft. Diese wurden durch diverse Gegenbesuche weiter vertieft.

 

Im Jahr 1986 wurde erstmals der Gartenheurige abgehalten und er erfreut sich bis heute, nicht nur bei den Mitgliedern sondern auch bei der Horner Bevölkerung, größter Beliebtheit, was nicht zuletzt auf die ausgezeichnete Bewirtung zurückzuführen ist. Der unermüdliche Einsatz der Mitarbeiter führt auch zu einer der wenigen Einnahmequellen des Vereins, um diverse Reparaturen und Investitionen in der Kleingartenanlage teilweise zu finanzieren.

 

Auch die Teilnahme an den von der Stadtgemeine Horn eingeführten Umwelttagen wurde positiv angenommen.

 

1995 wurde ein Parkstreifen entlang der Doberndorfer Straße eingerichtet.

 

Obmann Rupert Tatschl leitete die Geschicke des Kleingartenvereins sehr erfolgreich bis zum Jahr 2000. Er wurde zum Ehrenobmann ernannt und war auch in dieser Funktion noch jahrelang aktiv am Vereinsgeschehen beteiligt.

 

Im Jahr 2000 wurde Josef Wagner zum Obmann gewählt. Obmann Josef Wagner war unermüdlich um den Fortbestand der Kleingartenanlage bemüht, führte den Verein mit sehr viel persönlichem Einsatz, viel Geschick und Diplomatie. Auf Grund seines Wohnsitzwechsels legte er im Februar 2013 seine Funktion zurück. Für seinen Einsatz wurde er von Bürgermeister LAbg. Jürgen Maier mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Stadt Horn ausgezeichnet und vom Kleingartenverein zum „Ehrenobmann“ ernannt.

 

Martin Nowak wurde im Februar 2013 zum neuen Obmann gewählt und führt den Kleingartenverein in das nächste Jahrhundert seines Bestehens.

 

Die Vereinsgeschichte wurde vorwiegend anhand der beim Kleingartenverein Horn vorhandenen Vereinsunterlagen erstellt. Auf Grund der schwierigen Quellenlage kann die Geschichte des Vereines nicht in allen Details und lückenlos nachgezeichnet werden.

 

(Festschrift „100 Jahre Kleingartenverein Horn 1916 - 2016“)